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Sterbefasten
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Beim Sterbefasten (auch: FVNF Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und FlĂŒssigkeit oder FVET Freiwilliger Verzicht auf Essen und Trinken) hört die sterbewillige Person nacheinander oder zugleich mit dem Essen und Trinken auf, um das eigene Leben zu beenden. Es wird kontrovers diskutiert, ob es sich dabei um eine Form des Suizids handelt. Sterbefasten ist insofern umstritten, als Argumente, mit denen es aus ethischen und moralischen Bedenken abgelehnt wird, Argumenten gegenĂŒberstehen, die von einem Recht auf Selbstbestimmung ĂŒber die Beendigung des eigenen Lebens ausgehen.
Im englischen Sprachraum wird fĂŒr FVET das Akronym VSED (Voluntary Stopping of Eating and Drinking) verwendet.
Contents
âą Zum Begriff
âą Hintergrund
âą Voraussetzungen
âą Physiologie
âą Weitere Symptome
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Zum Begriff
In der Palliativmedizin lautet der Begriff âFreiwilliger Verzicht auf Nahrung und FlĂŒssigkeitâ bzw. wird dafĂŒr die AbkĂŒrzung âFVNFâ verwendet. Fachleute kritisieren die Verwendung dieser AbkĂŒrzung aus inhaltlichen GrĂŒnden. In der klinischen Praxis trĂ€ten FĂ€lle von Sterbefasten auf, die jeweils in einem der vier Buchstaben nicht zutrĂ€fen, etwa wenn ein Patient zwar die Nahrungsaufnahme abbrĂ€che, nicht aber die FlĂŒssigkeitszufuhr.cite-ref-1[1]
Statt FVNF hat Anton van Hooff den Parallel-Begriff Inedia erstmals systematisch benutzt.cite-ref-2[2] In der antiken Literatur findet neben Inedia auch das alt-griechische GegenstĂŒck ÎșαÏÏΔÏία (karterĂa = Ausdauer) Verwendung. So ist in den Schriften des Hippokrates und des Galenus vom Marasmus durch áŒÏÎżÎșαÏÏΔÏΔáżÎœ (apo-kartereĂźn = hungern, fasten) die Rede.cite-ref-3[3] Cicero berichtet im 1. Buch, Abschnitt 84, seiner âGesprĂ€che in Tusculumâ vom griechischen Philosophen Hegesias, dem sogenannten Selbstmordprediger. Dabei verwendet Cicero in seinem lateinischen Text zwei Begriffe fĂŒr das Sterbefasten: in Latein âper inediamâ (durch Nahrungsentzug) und in Griechisch áŒÏÎżÎșαÏÏΔÏΔáżÎœ (apokartereĂźn = fasten).cite-ref-4[4] Das Reflexiv-Verb zu Inedia lautet: âsich inedierenâ.
Im religiösen Bereich wird das Verfahren als Inedia prodigiosa oder Anorexia mirabilis beschrieben. Im Englischen wird Inedia als Fachbegriff fĂŒr das esoterische oder religiöse, lebenslange Fasten, manchmal auch ohne Wasserzufuhr benutzt. Hier wird als Lebensquelle oft eine Lichtnahrung oder ein göttliches Wunder behauptet. Inedia ist auch beim Senizid eine Methode fĂŒr alte Menschen, um im Opfertod still aus dem Leben zu scheiden.
Hintergrund
Es gehört zum Sterbeprozess, dass hĂ€ufig zunĂ€chst die Nahrungs- und spĂ€ter auch die FlĂŒssigkeitsaufnahme reduziert und dann ganz eingestellt werden.cite-ref-5[5] Boudewijn Chabot und Christian Walther zufolge könne man bei ausreichender FlĂŒssigkeitszufuhr durch Trinken viele Wochen auf Nahrung verzichten, ohne dadurch den Tod herbeizufĂŒhren.cite-ref-boudewijn-chabot-christian-walther-6-0[6] Sterbefasten beruht auf einer bewussten, freiwilligen Entscheidung. Es kann zumindest in der ersten Woche wieder beendet werden, ohne dass mit bleibenden SchĂ€den zu rechnen ist, wĂ€hrend andere Selbsttötungsmethoden meist den sofortigen Tod nach sich ziehen oder beim Ăberleben zu zum Teil massiven EinschrĂ€nkungen fĂŒhren können.cite-ref-boudewijn-chabot-christian-walther-6-1[6]
Bei konsequenter DurchfĂŒhrung des freiwilligen Verzichts auf Nahrung und FlĂŒssigkeit ist â abhĂ€ngig von Konstitution und Grunderkrankung â in fast drei Vierteln der FĂ€lle innerhalb von 14 Tagen mit dem Tod zu rechnen. In einigen FĂ€llen kann es aber lĂ€nger dauern; vor allem wenn keine tödliche oder schwere Erkrankung vorliegt;cite-ref-knmg-tabelle-7-0[7]cite-ref-dieter-birnbacher-8-0[8] auch die Aufnahme von geringen Mengen FlĂŒssigkeit, beispielsweise bei der Medikamenteneinnahme, verzögert das Sterben.cite-ref-9[9]cite-ref-knmg-tabelle-7-1[7] Empirischen Untersuchungen zufolge ist der Verzicht auf Essen und Trinken bei Sterbenden in der Regel nicht leidvoll, ein lĂ€ngerer Sterbeprozess kann aber zu einer Belastung fĂŒr Betroffene beziehungsweise auch fĂŒr deren Angehörige werden.cite-ref-bickhardt-und-hanke-10-0[10]
Von AuĂenstehenden wird das Sterben durch konsequentes Vermeiden einer Nahrungs- und FlĂŒssigkeitsaufnahme ĂŒberwiegend als sanfter Vorgang empfunden. Eine Befragung von Pflegenden aus Hospiz- und Palliativeinrichtungen 2001 in Oregon, die ein solches Sterben begleitet hatten, ergab, dass sie den Sterbeprozess im Durchschnitt als sehr gut und friedlich erlebt hatten.cite-ref-11[11] In den Fragebögen fĂŒr die 126 Krankenschwestern waren unterschiedliche Kategorien (âsuffering, pain, peacefulnessâ) abgefragt worden. Insgesamt beurteilten sie auf einer Punkteskala von null (âschrecklichâ) bis neun (âfriedlichâ) den letzten halben Monat des individuellen Sterbeverlaufs mit acht Punkten.cite-ref-12[12]
Eine FAZ-Rezension des Buches Ausweg am Lebensende: Sterbefasten von Chabot und Walther setzt sich hingegen kritisch mit dem propagierten Konzept des sogenannten Sterbefastens auseinander: So seien âMagersĂŒchtige und Hungerstreikendeâ gemÀà dem Buch vom Sterbefasten ausgenommen, da das Konzept âfĂŒr junge Menschen unertrĂ€gliche Qualen bedeuteâ, wĂ€hrend den âAltenâ ein Sterben angeboten werde, welches ânicht ganz frei von Leidenâ sei.cite-ref-13[13]
Voraussetzungen
Sterbefasten kann durch drei Bedingungen definiert werden:
1. Ein Patient entscheidet sich, in einem Zustand, in dem er zur Nahrungs- und FlĂŒssigkeitsaufnahme fĂ€hig ist, weder das eine noch das andere zu sich zu nehmen.
2. Er beabsichtigt damit, den Eintritt des Todes zu beschleunigen.
Um zu gewÀhrleisten, dass der Betroffene sein Vorhaben jederzeit abbrechen kann, falls er sich doch noch anders entscheidet, sollte sich in seiner Reichweite ein GetrÀnk oder auch eine Kleinigkeit zu essen befinden.cite-ref-bickhardt-und-hanke-10-1[10]
Physiologie
Die körperlichen Erscheinungen beim Verzicht auf Nahrungs- und FlĂŒssigkeitszufuhr verlaufen folgendermaĂen:cite-ref-bickhardt-und-hanke-10-2[10] Wenn dem Körper keine Nahrung zugefĂŒhrt wird, kommt es nach ein bis zwei Tagen zum sogenannten Hungerstoffwechsel, bei dem so wenig Energie wie möglich verbraucht wird. Gleichzeitig legt sich das HungergefĂŒhl. Die EiweiĂ- und Fettreserven des Körpers werden allmĂ€hlich aufgelöst; es kommt zum Muskelschwund. Bei diesen StoffwechselvorgĂ€ngen bilden sich Ketonkörper wie Aceton. Bei lĂ€ngerem Fasten schĂŒttet der Körper Endorphine aus, was das Hungern ertrĂ€glicher macht und zu euphorischen GefĂŒhlszustĂ€nden fĂŒhren kann. Pro Tag verlieren Fastende im Durchschnitt etwa 400 Gramm Gewicht; anfangs vor allem Wasser, spĂ€ter dann EiweiĂ (und damit Muskelsubstanz).
Bei Verzicht auf die zum Erhalt der Stoffwechselfunktionen nötigen ca. 25 ml Wasser pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag kommt es zur Austrocknung, die sich ab einem Wasserverlust von drei Prozent als Durst Ă€uĂert. Ab ca. zehn Prozent können Sprach- und Gangstörungen auftreten. Eine gute Mund- und Schleimhautpflege, z. B. durch halbstĂŒndiges MundausspĂŒlen, kann Symptome wie DurstgefĂŒhl und Mundtrockenheit (Xerostomie) lindern. Hingegen fĂŒhrt eine FlĂŒssigkeitszufuhr ĂŒber eine Infusion nicht zwangslĂ€ufig zu einer Minderung des DurstgefĂŒhls.cite-ref-15[15]
Schwerkranke, deren Immunsystem durch die Erkrankung oder deren Behandlung (z. B. Therapie mit Zytostatika) beeintrĂ€chtigt ist, neigen zusĂ€tzlich zu EntzĂŒndungen und Pilzinfektionen wie Mukositis und Soor. Durch die Austrocknung haben die Nieren zu wenig FlĂŒssigkeit, um ihre Ausscheidungsfunktion aufrechtzuerhalten. Es kommt zum akuten Nierenversagen mit einer Erhöhung des Harnstoffs im Blut, was mit der Zeit schlĂ€frig macht. Der Tod tritt dann in der Regel im Schlaf durch Herzstillstand ein.
Weitere Symptome
Wie hĂ€ufig auch beim krankheitsbedingten Sterben treten bei fortschreitender Abmagerung und Austrocknung (Exsikkose, Dehydrierung) weitere Symptome auf. Dazu zĂ€hlt zunehmende SchwĂ€che, die letztendlich in die BettlĂ€gerigkeit fĂŒhrt, mit den damit einhergehenden Risiken des Wundliegens und von Kontrakturen. Beim Aufstehen kommt es vermehrt zu einem SchwindelgefĂŒhl (Orthostase), da sich der Blutkreislauf auf die wichtigen Organe zurĂŒckzieht und die periphere Durchblutung nachlĂ€sst. FĂŒĂe, Arme und HĂ€nde werden kalt und können sich verfĂ€rben, insbesondere die Beine erscheinen âmarmoriertâ. Die Urinmenge ist reduziert (Oligurie), die Kontrolle ĂŒber die Ausscheidung geht eventuell verloren (Inkontinenz); in selteneren FĂ€llen kommt es zu schmerzhaftem Harnverhalt, was durch Anlage eines Blasenkatheters behoben werden kann.
MĂŒdigkeit und Teilnahmslosigkeit steigern sich bis zur Apathie, Schlafphasen werden hĂ€ufiger und verlĂ€ngern sich (Somnolenz), die seltener werdenden Wachphasen können von Verwirrtheit und Unruhe geprĂ€gt sein.cite-ref-16[16] Daneben können, vor allem im Zusammenhang mit fieberhaften Infektionen, MuskelkrĂ€mpfe auftreten.cite-ref-17[17]
Diese Symptome lassen sich in der Regel durch palliativmedizinische und -pflegerische Therapie und UnterstĂŒtzung lindern. Andere Symptome beruhen auf eventuell vorhandenen Grunderkrankungen und mĂŒssen unter UmstĂ€nden entsprechend weiter palliativ behandelt werden.
Ethische Bewertungen und gesellschaftliche Akzeptanz
Der freiwillige Verzicht auf Nahrung und FlĂŒssigkeit ist unabhĂ€ngig von der Hilfe anderer und gilt meist als eine Form der unnatĂŒrlichen Selbsttötung oder des passiven Senizids.cite-ref-18[18] Von anderer Seite wird geltend gemacht, dass es sich um keinen gewalttĂ€tigen Suizid, sondern um eine autonome, gewaltfreie und natĂŒrliche Tötungsart sui generis handelt.cite-ref-19[19]cite-ref-20[20] Die Zuordnung des Sterbefastens zum unnatĂŒrlichen passiven Suizid oder zu einer natĂŒrlichen Selbsttötung oder dritten Art der Selbsttötung sui generis ist von weitreichender Bedeutung fĂŒr die Behandlung des Toten, etwa weil bei einem unnatĂŒrlichen Tod die Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden muss, mit den entsprechend belastenden Folgen fĂŒr die Angehörigen.
Hintergrund ist, dass der Verzichtende sein nahendes Lebensende akzeptiert oder aber eine dezidierte Suizidabsicht verfolgt. AbhĂ€ngig davon fĂ€llt das Geschehen unter Begrenzung lebenserhaltender MaĂnahmen oder unter den Aspekt der Suizidhilfe. Die Arbeitsgruppe âEthik am Lebensendeâ in der Akademie fĂŒr Ethik in der Medizin e. V. (AEM) plĂ€diert, ungeachtet der Zuordnung im Einzelfall, fĂŒr die Anwendung derselben Entscheidungskriterien, die fĂŒr die Suizidhilfe erarbeitet wurden.cite-ref-21[21] Das Sterbefasten kann als passiver Suizid eingestuft werden, da dabei keine aktive Handlung ausgefĂŒhrt wird. Es ist ein autonomes Gestalten des Sterbeprozesses, das im Unterlassen der Nahrungs- und FlĂŒssigkeitsaufnahme besteht.cite-ref-dieter-birnbacher-8-2[8]
Das gesellschaftliche VerhĂ€ltnis zu Themen der Sterbehilfe ist gespalten;cite-ref-22[22] ebenso besteht kein Konsens darĂŒber, wie frei der freie Wille wirklich ist und wie die Forderung nach Autonomie in diesem Zusammenhang zu bewerten ist.
Rechtliche Einordnung und Positionen
Nach der Rechtsprechung in Ăsterreich handelt es sich beim FVNF nicht um Suizid.cite-ref-fwb-23-0[23]
In Deutschland ist der Verzicht bzw. die Ablehnung von lebenserhaltenden MaĂnahmen spĂ€testens seit dem Erlass des PatientenverfĂŒgungsparagraphen (§ 1901a BGB) rechtens. Dazu zĂ€hlt auch der Verzicht auf Nahrung und FlĂŒssigkeit, solange dies von einer einwilligungsfĂ€higen Person getan wird, die ihren Willen glaubhaft und nachhaltig Ă€uĂert. Der nachhaltige Wille wird hier schon durch die fortgesetzte Ablehnung der Nahrungs- und FlĂŒssigkeitsaufnahme dokumentiert. Allerdings ist vorher zu klĂ€ren, ob behandelbare Ursachen (Krankheiten wie Magersucht oder Depression) dazu gefĂŒhrt haben, dass die Nahrungsaufnahme abgelehnt wird. Können solche GrĂŒnde bei selbstbestimmter EinsichtsfĂ€higkeit des Betroffenen ausgeschlossen werden, ist dessen Wille zu respektieren.cite-ref-bickhardt-und-hanke-10-3[10]cite-ref-24[24]
Hilfreich ist das Vorliegen einer entsprechenden PatientenverfĂŒgung und einer dokumentierten Modifizierung der Garantenpflicht. Letzteres, um den Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung abweisen zu können, der gelegentlich erhoben wird, wenn der Fastende am Ende das Bewusstsein verliert. Die medizinische und pflegerische Versorgung dieser Patienten stellt keine Hilfe zur Selbsttötung dar, sondern ist Teil der Betreuung im Rahmen des Sterbeprozesses.cite-ref-fwb-23-1[23]
In den 2011 von der BundesĂ€rztekammer novellierten GrundsĂ€tzen zur Ă€rztlichen Sterbebegleitung heiĂt es:
âDas Sterben darf durch Unterlassen, Begrenzen oder Beenden einer begonnenen medizinischen Behandlung ermöglicht werden, wenn dies dem Willen des Patienten entspricht. Dies gilt auch fĂŒr die kĂŒnstliche Nahrungs- und FlĂŒssigkeitszufuhr.âcite-ref-25[25]
Kontroverse um § 217 StGB in Deutschland
Vor 2015 war die Förderung der Selbsttötung eines Dritten straffrei.
Ab 10. Dezember 2015 wurde die Förderung der Selbsttötung eines Dritten dann strafbar, wenn sie geschĂ€ftsmĂ€ssig (gegen Entgelt) erfolgt (§ 217 StGB: Gesetz zur Strafbarkeit der geschĂ€ftsmĂ€Ăigen Förderung der Selbsttötung).cite-ref-27[27]
Die strafrechtliche Wissenschaft kam damals ĂŒberwiegend zu dem Ergebnis, dass damit eine geschĂ€ftsmĂ€Ăige Hilfe beim Sterbefasten durch Hospize, Pflegeheime und Ărzte strafbewehrt und rechtswidrig war.cite-ref-28[28]cite-ref-29[29] Eine konsequente Umsetzung dieser Interpretation wĂŒrde nach Ansicht des Rechtstheoretikers Eric Hilgendorf âdie Hospiz- und Palliativarbeit im bisherigen Sinne unmöglich machenâ.cite-ref-30[30] Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Palliativmedizin (DGP) sah im § 217 hingegen keine Gefahr fĂŒr die Palliativversorgung; wĂŒrden bestimmte BehandlungsmaĂnahmen beendet, sei das âzwar auch eine Form der âSterbehilfeââ, in erster Linie stellten sie aber einen âAbbruch einer vom Patientenwillen nicht mehr getragenen Ă€rztlichen Behandlung darâ; das âsogenannte Sterbefasten [âŠ] medizinisch zu begleiten â und gegebenenfalls die erforderliche Basisversorgung zur Linderung von Durst- und HungergefĂŒhlen zu leistenâ, sei ebenfalls keine strafbare Handlung gewesen. Die behandelnden Ărzte unterlieĂen hier eine â[âŠ] ausdrĂŒcklich abgelehnte medizinische Behandlung (ErnĂ€hrung ĂŒber Sonde oder durch Infusionslösungen). Es werde keine Beihilfe zum Suizid geleistet, sondern es wĂŒrden insbesondere belastende Symptome gelindert.âcite-ref-31[31]
Zum Umgang mit geĂ€uĂerten SterbewĂŒnschen von Patienten empfahl die DGP unter anderem, den freiwilligen Verzicht auf Nahrungs- und FlĂŒssigkeitsaufnahme dem Patienten als âmögliche Alternativeâ zuzugestehen.cite-ref-32[32]
Position der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Palliativmedizin
Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Palliativmedizin (DGP) legte 2019 ein Positionspapier zum freiwilligen Verzicht auf Essen und Trinken (FVET) vor. Darin wird der Standpunkt vertreten, dass FVET nicht als Suizid, aber auch nicht als Therapieverzicht zu bewerten sei. Essen und Trinken seien keine Behandlungen im medizinischen Sinne, damit wĂ€re auch der FVET kein Unterlassen der Behandelnden.cite-ref-33[33] Der FVET wird eher als eigene Handlungskategorie (Sui generis) betrachtet.cite-ref-34[34] Die Inhalte des Positionspapiers beschrĂ€nkten sich aber auf Patienten mit âlebensbedrohlichen oder lebenslimitierendenâ Erkrankungen und seien ânicht ohne weiteres auf andere Gruppen ĂŒbertragbar, zum Beispiel auf alte, multimorbide oder gebrechliche Menschen ohne schwere Erkrankungen oder gesunde Menschen, die des Lebens mĂŒde sind.â Ein schwerkranker Mensch, der durch Verzicht auf Essen und Trinken seinen Tod herbeifĂŒhren möchte, sollte nicht gegen seinen Willen ernĂ€hrt werden.cite-ref-35[35]
Kirchliche Einordnungen und Positionen
Die römisch-katholische Kirche bezeichnet den Suizid als eine schwere Verfehlung sowohl gegen die Eigenliebe als auch die NĂ€chstenliebe. Zudem stehe er im Widerspruch gegen die Liebe Gottes, da der Mensch verpflichtet sei, sein Leben dankbar entgegenzunehmen und zu bewahren. Der Mensch sei nur Verwalter, nicht EigentĂŒmer des anvertrauten Lebens, er dĂŒrfe darĂŒber nicht verfĂŒgen. Die freiwillige Beihilfe zum Selbstmord verstoĂe gegen das sittliche Gesetz.cite-ref-36[36]
AnlĂ€sslich der Debatte ĂŒber die Gesetzesinitiative zum Verbot der geschĂ€ftsmĂ€Ăigen Beihilfe zur Selbsttötung Ă€uĂerte sich der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland im November 2012 dahingehend, dass die Selbsttötung eines Menschen aus christlicher Perspektive grundsĂ€tzlich abzulehnen sei, weil das Leben als eine Gabe verstanden werde, ĂŒber die der Mensch nicht eigenmĂ€chtig verfĂŒgen solle. Allerdings schlieĂe âdie generelle Ablehnung nicht aus, dass Menschen in einer extremen Not- und Ausnahmesituation zu einer anderen Entscheidung kommen könnenâ, die ein AuĂenstehender nicht ermessen könne und die es zu respektieren gelte.cite-ref-37[37] Jede Form organisierter Suizidbeihilfe sei allerdings abzulehnen.cite-ref-38[38]
Literatur
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Weblinks
Wiktionary: Sterbefasten
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą Webseite âSterbefastenâ. schweizer Stiftung palliacura, abgerufen am 26. Februar 2023.
âą Sterbefasten â Freiheit zum Tod. Medienprojekt Wuppertal, 2013; abgerufen am 26. Februar 2020 (Filmdokumentation).
âą Dieter Birnbacher: Sterbefasten â eine ethische Bewertung. In: hpd.de. 8. Oktober 2014; abgerufen am 26. Februar 2020.
âą Dying Wish â The Documentary. Dying Wish Media; abgerufen am 26. Februar 2020 (englisch, Dr. Michael Miller wĂ€hlt FVNF).
âą N. IvanoviÄ, D. BĂŒche, A. Fringer: Voluntary stopping of eating and drinking at the end of life â a 'systematic search and review' giving insight into an option of hastening death in capacitated adults at the end of life. In: BMC palliative care. Band 13, Nummer 1, Januar 2014, S. 1, doi:10.1186/1472-684X-13-1, PMID 24400678, PMC 3893440 (freier Volltext).
âą Judith K. Schwarz: Death by voluntary dehydration: Suicide or the right to refuse a life-prolonging measure? (PDF) In: compassionoforegon.org. Ehemals im Original (nicht mehr online verfĂŒgbar); abgerufen am 26. Februar 2020 (englisch).@1@2Vorlage:Toter Link/www.compassionoforegon.org (Seite nicht mehr abrufbar. Suche in Webarchiven)
âą Waltraud Schwab: âSie wollte SelbststĂ€ndigkeit bis zuletztâ. In: taz.de. 17. Dezember 2016; abgerufen am 26. Februar 2020 (Christiane zur Nieden im Interview).
⹠Der Weg des Sterbefastens. Thanatos TV, 2019; abgerufen am 14. Juli 2021 (Filmdokumentation: Christiane zur Nieden im GesprÀch).
âą Ursula Reinsch: Streitfall Sterbefasten â Wenn Menschen ihr Leben durch Nahrungsverzicht beenden. In: Deutschlandfunk-Sendung âTag fĂŒr Tagâ. 26. Februar 2020; abgerufen am 26. Februar 2020 (auch als mp3-Audio, 9,4 MB, 10:15 Minuten).
⹠Christian Walther, Peter Kaufmann: Zur Geschichte des Begriffs «Sterbefasten». In: sterbefasten.org. 2021, abgerufen am 17. Juli 2021.
Einzelnachweise
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cite-note-33. â Hartwin Brandt: Am Ende des Lebens. Alter, Tod und Suizid in der Antike. Zetemata, Heft 136. MĂŒnchen: C.H. Beck 2010. https://books.openedition.org/chbeck/1334
cite-note-44. â Cicero: Vom Wesen der Götter / De natura deorum: Lateinisch â Deutsch (Sammlung Tusculum, ĂŒbersetzt von Olof Gigon). de Gruyter, Berlin 2011.
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cite-note-1515. â F. Oehmichen u. a.: Leitlinie der Deutschen Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrungsmedizin (DGEM) â Ethische und rechtliche Gesichtspunkte der KĂŒnstlichen ErnĂ€hrung. (Memento des Originals vom 17. April 2018 im Internet Archive; PDF) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.awmf.org In: Aktuel Ernahrungsmed. 38, 2013, S. 112â117, Abschnitt 4.3; abgerufen am 9. Dezember 2014.
cite-note-1616. â M. Kern, F. Nauck: Letzte Lebensphase. In: Deutsche Gesellschaft fĂŒr Palliativmedizin (Hrsg.): Handreichung Palliative Care und Hospizarbeit. Stand 11/2006
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cite-note-1818. â Dieter Birnbacher: Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und FlĂŒssigkeit = âpassiverâ Suizid â was folgt? In: Michael Coors, Alfred Simon, Bernd Alt-Epping (Hrsg.): Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und FlĂŒssigkeit. Stuttgart: Kohlhammer 2019.
cite-note-1919. â J. Bickhardt, R. M. Hanke: Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und FlĂŒssigkeit: Eine ganz eigene Handlungsweise. In: Deutsches Ărzteblatt, 2014, 111(14), S. A-590 / B-504 / C-484.
cite-note-2020. â Oliver Tolmein: Warum der Freiwillie Verzicht auf Nahrung und FlĂŒssigkeit nicht als Selbstötung im Sinne des § 217 StGB zu sehen ist. In: Michael Coors et al. (Hrsg.): Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und FlĂŒssigkeit. Kohlhammer, Stuttgart 2019.
cite-note-2121. â G. Neitzke, M. Coors, W. Diemer, P. Holtappels, J. F. Spittler, D. Wördehoff: Empfehlungen zum Umgang mit dem Wunsch nach Suizidhilfe. Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg 2013. doi:10.1007/s00481-013-0256-6
cite-note-fwb-2323. â Angelika Feichtner, Dietmar Weixler, Alois Birklbauer: Bewusster und freiwilliger Verzicht auf Nahrung und FlĂŒssigkeit. In: Universum Innere Medizin. 21. Februar 2019, abgerufen am 22. November 2024.
cite-note-2424. â KNMG Royal Dutch Medical Association and V&VN Dutch Nursesâ Association Guide: Caring for people who consciously choose not to eat and drink so as to hasten the end of life. Legal and ethical aspects. 2015, S. 19â22.
cite-note-2525. â F. Nauck, Ch. Ostgathe, L. Radbruch: Ărztlich assistierter Suizid: Hilfe beim Sterben â keine Hilfe zum Sterben. In: Deutsches Ărzteblatt, 2014, 111(3), S. A-67 / B-61 / C-57. aerzteblatt.de abgerufen am 3. Dezember 2014.
cite-note-2626. â 2 Senat Bundesverfassungsgericht: Bundesverfassungsgericht â Entscheidungen â Verbot der geschĂ€ftsmĂ€Ăigen Förderung der Selbsttötung verfassungswidrig. 26. Februar 2020, abgerufen am 27. Februar 2020.
cite-note-2727. â BGBl. 2015 I S. 2177
cite-note-2828. â Frank Saliger: StGB § 217 GeschĂ€ftsmĂ€Ăige Förderung der Selbsttötung. In: U. KindhĂ€user, U. Neumann, H.-U. Paeffgen (Hrsg.): Strafgesetzbuch (= NomosKommentar). 5. Auflage. Nomos, Baden-Baden 2017, Rn. 31.
cite-note-2929. â Torsten Verrel: Suizidbeihilfe â geschĂ€ftsmĂ€Ăig verboten, im Einzelfall erlaubt? Kritische Anmerkungen zu § 217 StGB. In: Gesundheit und Pflege, 2016, S. 45, 48.
cite-note-3030. â Eric Hilgendorf: Stellungnahme zur öffentlichen Anhörung des Ausschusses fĂŒr Recht und Verbraucherschutz des Deutschen Bundestages am 23. September 2015. S. 14. (bundestag.de (PDF; 0,5 MB) abgerufen am 8. August 2017)
cite-note-3131. â Deutsche Gesellschaft fĂŒr Palliativmedizin (DGP) unterstreicht: § 217 ist keine Gefahr fĂŒr die Palliativversorgung! dgpalliativmedizin.de, 17. Februar 2017 (Memento vom 8. August 2017 im Internet Archive); abgerufen am 8. August 2017.
cite-note-3232. â Ărztlich assistierter Suizid â Reflexionen der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Palliativmedizin. Januar 2014, S. 11â12. dgpalliativmedizin.de (PDF; 0,3 MB)
cite-note-3333. â Positionspapier der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Palliativmedizin zum freiwilligen Verzicht auf Essen und Trinken. (PDF; 0,2 MB) Dgpalliativmedizin.de, Stand 7. Februar 2019, S. 5; abgerufen am 10. Januar 2024.
cite-note-3434. â Positionspapier der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Palliativmedizin zum freiwilligen Verzicht auf Essen und Trinken. (PDF; 0,2 MB) Dgpalliativmedizin.de, Stand 7. Februar 2019, S. 2; abgerufen am 10. Januar 2024.
cite-note-3535. â Positionspapier der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Palliativmedizin zum freiwilligen Verzicht auf Essen und Trinken. (PDF; 0,2 MB) Dgpalliativmedizin.de, Stand 7. Februar 2019, S. 3; abgerufen am 10. Januar 2024.
cite-note-3636. â Katechismus der Katholischen Kirche KKK, 2280â2283 (Memento des Originals vom 31. Dezember 2014 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.vatican.va
cite-note-3737. â Wenn Menschen sterben wollen â Eine Orientierungshilfe zum Problem der Ă€rztlichen Beihilfe zur Selbsttötung. (www.ekd.de)
cite-note-3838. â Jede Form organisierter Suizidbeihilfe ist abzulehnen! (www.ekd.de)